Genußatelier: Kalte Spaghetti mit Schnittlauch und Kaviar

SpaghettiIm weiten flachen Feld der Kunst steht so mancher intellektuelle Kritiker unübersehbar da wie etwa eine Vogelscheuche. Seine atemberaubende Interpretation eines Werks erhöht auch Dilettantisches zum Genialen und macht Absicht aus Zufall, abgesehen davon, daß er brillant morgen das Gegenteil von dem behauptet, was er heute noch wortreich dargeboten hat.

Ziemlich alle Zuhörer schienen beispielsweise beeindruckt, als ein Philologe einmal bewies, weshalb in einem bestimmten Roman kein Strichpunkt vorkomme, ja nicht einmal vorkommen dürfe. Applaus! Dann stand der Dichter, um dessen Werk es ging, auf und bekannte spielverderbend, auf einer Schreibmaschine ohne Semikolon getippt zu haben.

Ähnliches geschieht auch in der gastronomischen Kritikerszene, seit Köche nicht mehr den Handwerkern, sondern freischaffenden Künstlern zugerechnet werden. „Eine geradezu geniale Erfindung“ schrieb eines dieser Obertiere über kalte Spaghetti mit Schnittlauch und Kaviar des Gualtiero Marchesi. Was Herr S. in seinem Enthusiasmus freilich nicht wissen konnte: Kalte Spaghetti mit Schnittlauch und Kaviar habe ich schon vor vierzig Jahren bei meiner Tante Therese gegessen.

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