Ein Neujahrswunsch für 2016

Nonne mit_SektEin bravourös mit Trüffeln gespickter Kapaun oder ein hingebungsvoll komponiertes Erdäpfelgulasch mit Würstl sind nicht nur sinnliche Wonnen. Zwar vergeht auch die feinste Näscherei während des Essens wie der Schaum des Champagners, aber Speise und Wein vermitteln Gelassenheit, Stärke und das angenehme Gefühl, daß der Lärm der Welt im Moment des Genießens draußen bleibt.

In diesem Sinne hat Genuß, wie ich ihn verstehe und liebe, wenig mit dem Paradies hinter den Wolken zu tun, in dem alle wunschlos glücklich sind. Zu meiner Vorstellung von Glück gehört auch das Begehren, das spannende Wechselspiel zwischen Sehnsucht und Erfüllung. Ewige Sattheit wäre das Ende aller Hoffnung und würde uns so herrlicher Erlebnisse berauben, wie das Schicksal sie immer wieder bereithält: in der Liebe, einem köstlichen Mahl, großem Wein, feiner Zigarre, gutem Gespräch.

Freilich, wie aktuell die Pflege der Genußkultur ist, lehren uns täglich Politiker, Bürokraten sowie Ideologen mit Vorschriften, wie wir zu leben haben. Auch wenn den Genußfeinden nur ein einziger ehrlicher Impuls zugrunde liegt, nämlich der Wunsch, diejenigen zu bestrafen, die eine größere Fähigkeit zum Glücklichsein haben, so muß sich, wer morgen noch nach seiner Facon leben will und nicht in einem Getto von Gesetzen, dagegen wehren.

Also gehen wir das Leben jeden Morgen mit Genuß an, betrachten wir die Welt auch heiter durch die Bratröhre, das Weinglas und den silbrigen Rauch einer Zigarre. So wie ein Steinhaufen aufhört, ein Steinhaufen zu sein, sobald er von einem Menschen betrachtet wird, der das Bildnis einer Kathedrale in sich trägt, so wird jeder Tag zu einem Genuß-Fest, sobald Mann und Frau sich die unvoreingenommene Hingabe an den Augenblick gestatten.

Das Leben ist bekanntlich nicht nur kurz, sondern vor allem einzig, deshalb: Brich die Regeln, vergib rasch, liebe wahrhaftig, küsse zärtlich und lasse nichts aus, was dich lächeln lassen könnte. Man kann auch sagen: Genießen ist ein Ernstnehmen der Schöpfung!

Möge 2016 uns allen ein Annus mirabilis sein!
Das wünscht August F. Winkler

Journal bekommen!

Wort der Woche

„Der Wein macht den Maulwurf zum Adler“

Nadar

Dieses ebenso skurille wie poetisch erhöhte Bild hat Charles-Pierre Baudelaire (1821-1867) entworfen, der geniale französische Lyriker, Schriftsteller, Essayist, Dandy, Wagnerianer und Weinkenner, der vor allem mit seiner „Die Blumen...

weiterlesen

Gericht der Woche

Karpfen polnisch à la Fürst Rudolstadt

Bei allem Respekt vor der neuen deutschen...

weiterlesen

Wein der Woche

2008 Château de Pez, Cru Bourgeois, St. Estephe

Dunkelrot und mit einem jugendliche Frische signalisierenden Lilaschimmer fließt der Wein ins Glas, aus dem im Nu ein dicht geflochtenes Bukett...

weiterlesen