Weingut Emmerich Knoll

Weingut Emmerich Knoll: Jeder 2013er-Smaragd ist ein Unikat und flüssiger Genuß
Ährengelb und mit gemächlicher Gelassenheit fließt der Wein ins Glas. Das leise Gluckern klingt verheißungsvoll. Die Nase registriert erst einmal die großen Weinen in deren Jugend eigene vornehme Zurückhaltung, aber bereits wenige Minuten später dank der Sauerstoffdusche beginnt sich der 2013er Riesling der Spitzenlage Schütt zu öffnen und begeistert durch sein reiches, dabei aufs Feinste ziselierte Bukett in Form von Weinblüten, gelben Früchten à la Pfirsich, Litschi und Mirabelle nebst einer kühlen mineralischen Note. Der dicht gewobene Fruchtkörper ist von makelloser Klarheit, er verfügt über Tiefe und ist, ja man muß es so ausdrücken, ein in Eleganz gemeißeltes Monument. Die Talente sind jedenfalls bereits zu spüren, aber zu seiner Vollkommenheit wird diese große Kreszenz erst in fünf bis sieben und zehn Jahren erblühen. Das ist ein Versprechen, das dieser Wein als eine quasi flüssige Skulptur des Jahrgangs problemlos halten wird.

Knoll Emmerich_JuniorKurzinterview mit Emmerich Knoll jun. zum Jahrgang 2013:

Was zeichnet den Jahrgang aus?
Emmerich Knoll: Die Lagenweine haben, ausgehend von einer hohen physiologischen Reife, vom kühlen Herbst profitiert. Die gegenüber den Vorjahren etwas schlankere Struktur und höhere Säure wirken sich nur positiv aus. Obwohl der Alkoholgehalt etwas niedriger liegt, haben die Weine immens viel Druck. Alles in allem ist die Klarheit und Fruchtbrillanz so ausgeprägt wie selten.
Gab es auch Botrytis:
E. K.: Gegen Ende der Hauptlese ist ein wenig Botrytis aufgetreten, die aber in keiner Weise stört, ja vielleicht sogar noch das Tüpferl auf dem i ergibt.
Wie ist das Alterungspotenzial einzuschätzen:
E. K.: Generell sehr, sehr hoch – es spricht nichts gegen eine überaus lange Reifespanne der 2013er-Gewächse.

Über die Weine von Emmerich Knoll zu schreiben, heißt: Bewunderung auszudrücken, denn jedes Gewächs aus diesem Keller bringt auf ebenso eindringliche wie vornehme Weise fruchtige Kraft und strukturelle Tiefe mit stilistischer Eleganz zur Deckung. Der Winzer aus Unterloiben in der Wachau faltet die Hände wie zum Gebet und sagt, als sein Wein der Lage Schütt schwärmerisch gewürdigt wird – es fallen Worte wie herrliches Bukett, Rasse, grandios, Granate - ,„ja, der ist gut.“ Das ist die Tiefstapelei eines Mannes von selbstbewußter Demut, denn tatsächlich ist sein Riesling einer der Stars des Jahrgangs. Jeder Wein hat seinen individuellen genetischen Duft- und Geschmackscode, und er hat, wie ein Mensch, sein eigenes Profil, seinen speziellen Charakter. Es gibt unter den Weinen starke Persönlichkeiten ebenso wie erbärmliche Wichte. Man findet geradlinige Naturen und Blender, Matronen und Ballerinen, Frohnaturen und Säuerlinge. In dieser Vielfalt liegt das alte und ewig neue Mysterium des Weins. Sie ist zugleich die Erklärung, weshalb das Weintrinken in einer ansonsten rational verwalteten Welt nach wie vor ein sinnliches Abenteuer ist.

Knoll 2008In diesem Sinne war die horizontal angelegte Verkostung einiger Gewächse des Jahrgangs 2013 aus dem Hause Knoll eine besonders faszinierende Begegnung mit Farben, Düften und Aromen - gewiß eine Momentaufnahme, denn zumal die Smaragde sind kaum der Fässer, in denen sie reiften, entwachsen. Aber gefahrlos läßt sich jetzt schon sagen, daß es ein nobler Jahrgang ist, geprägt durch gesunde und reife Trauben; nur die Vinothekfüllungen haben etwas Botrytis mitbekommen. Die Rieslinge begeistern durch ihre klare, kühle und finessige Brillanz, die Grünen Veltliner durch Schmelz und Würze. Die Weine sind schon in ihrer Jugend gut trinkbar, doch die Knoll-Kreszenzen haben einen langen Atem, sie sind berühmt für ihre Langlebigkeit. Peter Moser, der renommierte Weinautor, hat das einmal sehr schön so formuliert: „Knoll-Weine gelten als Spätstarter (was in Wahrheit unzutreffend ist) und als sehr langlebig (was völlig zutreffend ist).“

Dafür gibt es reichlich genußvolle Belege. Man nehme den 1990er Grünen Veltliner Vinothek oder die Veltliner Smaragde aus Jahren wie 1993, 1997 sowie 1999: jeder Wein ein Unikat, frisch und lebendig ohne die Spur von Altersrunzeln. Gleiches gilt für Riesling aus Jahren wie 1990 (eine Pracht für sich ist der Wein der Paradelage Schütt), 1993 (suggestiv der Loibenberg), 1997 und 1999. Selbst weniger gut beleumundete Jahrgänge wie etwa 1992 bestechen durch dichte Frucht und Finesse wie der Riesling Loibenberg Smaragd, der sich in der Magnum immer noch derart kompakt präsentiert, daß es schwer fällt, Details zu erkunden – opulent und unzerstörbar gibt sich nach 23 Jahren der 1992er Grüne Veltliner Vinothekfüllung: konzentriert mit zarter Extraktsüße und Noten von getrockneten gelben Früchten nebst Butterkaramell, Kandis sowie einem aparten Hauch von Weihrauch. Bereits Legendenstatus haben der 1971er Riesling, der 1977er Grüne Veltliner Loibenberg und der 1985er Grüne Veltliner Spätlese.

Steckbriefe der Smaragde und Vinothekfüllungen 2013
(Bewertung nach dem Zehnpunktesystem: 1 = mangelhaft, 10 = ausgezeichnet)

Knoll 85_Spaetlese_EtikettGrüner Veltliner Loibenberg Smaragd: Ein üppiges Aromenmix aus gelben Früchten wie Williamsbirne, Ananas und etwas Quitte, flankiert von einem aparten Hauch weißem Pfeffer nebst einem Duft, der an warmen Apfelkuchen mit Rosinen erinnert. Kraftvoller Körper, zur Opulenz neigend, ohne in die Breite zu gehen. Animierender cremiger Nachklang. Verführerisch in Duft wie Geschmack, eher feminin als männlich. Eine reine Südlage, vor Wind geschützt. (8 Punkte)

Grüner Veltliner Schütt Smaragd: Markantes, würzig geprägtes Bukett mit fruchtigen Noten à la Aprikose und Grapefruit, ergänzt durch getrocknete gelbe Früchte. Kompakter Fruchtkörper von geschmeidiger Fülle mit feiner Gewürzigkeit, dicht und klar gebaut. Ein Wein der das Terroir präzise widerspiegelt. Die von kühlerer Luft durchwehte Lage Schütt mit Weinen von charakterstarker bis strenger Eleganz hat ebenso ihre Liebhaber wie der insgesamt fülligere Loibenberg. (9 Punkte)

Grüner Veltliner Smaragd Vinothekfüllung: Reich in Duft und Geschmack, bei aller Kraft klar angelegt, reintönig. Typische Veltliner-Aromata wie gelbe Früchte (Aprikose, Maracuja, Mango) in Verbindung mit Gewürzen à la rotem Pfeffer und etwas Nelke sowie Rosinen, ein wenig Honig und warmer Apfeltarte. Die mit hohen Öchsle-Werten gelesenen Trauben ergaben einen Wein von derart dicht gebündelter, doch zugleich rassig durchwobener Geschmacksfülle, so daß in dieser jugendlichen Phase jegliche Differenzierung schwer fällt. Doch kann risikolos von einem großen Wein gesprochen werden. Langer Nachklang, gewürzig unterlegt. (10 Punkte).

Anmerkung: Schon der 1988er als erste Vinotheksfüllung im Hause Knoll belegte signifikant den Anspruch dieser Klasse als einer Quintessenz des jeweiligen Jahrgangs. Wie benennt man einen Wein, in dem sich als trocken ausgebaute Auslese die besten hochreifen Trauben mehrerer Lagen bündeln? In dieser Disziplin drängeln sich mittlerweile ja Superlative von „Monumental“ über “Solitär“ und „Reserve privat“ bis hin zu „Unendlich“: Titel, die auch vom jeweiligen Selbstwertverständnis des Winzers zeugen. Emmerich K. dachte wohl auch über einen angemessenen Namen nach, blieb sich jedoch treu und bescheiden. „Vinothek“ wurde der Wein getauft, weil er wegen seiner außergewöhnlichen Qualität eben in die Vinothek des Kellers gelegt worden ist, die Kammer für besondere Kreszenzen. Seither gibt es in entsprechend guten Jahrgängen gleichermaßen für Grünen Veltliner und Riesling die Vinothekfüllung.

Riesling Loibenberg Smaragd: Intensives und zugleich fein gewobenes Bukett mit Noten von Pfirsich und Südfrüchten wie Mango, komplettiert durch Rosinen sowie etwas Honig und einer gewürzigen Note à la Nelke plus einem Hauch von Anis. Der Wein füllt den Gaumen mit seiner dichten, ins Schmelzige weisenden Frucht; er gleicht dem Fließen eines ruhigen Stroms, ist reich und fein zu nennen, aber direkt verglichen mit dem Schütt oder Kellerberg wirkt er doch fast etwas langweilig. Loibenberg-Weine sind eher in Moll gehalten, Schütt-Kreszenzen hingegen ertönen in Dur. (9 Punkte)

Knoll KellerbergRiesling Schütt Smaragd: Glockenrein dringt die Frucht aus dem Glas, sich mächtig und zugleich ziseliert entfaltend. Die Nase nimmt Töne von gelbem Steinobst wahr wie Mirabelle und Pfirsich nebst Litschi und Weinblüten, ergänzt durch eine kühle mineralische Note. Ein herrlicher Wein voller Tiefe, dicht und reich gebaut, der sich anfangs nobel zurück hält, dann jedoch sukzessive seine Klasse zeigt. Bei aller athletischer Kraft fasziniert der Schütt durch Rasse und ziselierte Eleganz. Anders gesagt: Ohne Weine der Lage Schütt wäre das Leben ein Irrtum! (10 Punkte)

Riesling Kellerberg Smaragd: Die natürliche Konkurrenz zum Schütt, was Rasse und Finesse anbelangt. Steinobstnoten paaren sich mit Ananas, Blüten und einer feinen Mandelnote nebst Maracuja und kühlem mineralischem Einsprengsel. Der Wein bedarf des Sauerstoffs, um sich zu entfalten; er wird im Glas immer komplexer und – dank feiner Säure – rassiger. Ein Riesling wie aus dem Bilderbuch, kompakt gebaut, dabei schlank in seiner vertikal angelegten Struktur. (10 Punkte)

Anmerkung: Smaragde firmieren laut Diktion der „Vinea Wachau“, einer weitsichtig bereits 1983 gegründeten Winzer-Vereinigung zur Pflege der regionalen Weinkultur mit besonderer Fixierung auf höchstmögliche naturnahe Qualität, als trocken ausgebaute Spätlesen ab einem Alkoholgehalt von mindestens 12,5 Prozent – die Regel sind freilich mächtigere Weine zwischen 13 und 14,5 Prozent. Sie bilden für alle Rebsorten vom Grünen Veltliner über Riesling und Gelben Muskateller bis zum Traminer die Spitze der Klassenhierarchie oberhalb der beiden weiteren Kategorien wie „Federspiel“ (steht für den Rang eines Kabinetts bis höchstens 12,5 Prozent Alkohol) sowie “Steinfeder“ (der Name dieses sich im Wind federngleich wiegenden Grases drückt es aus: alkoholleichtere Weine bis maximal 11,5 Prozent).

Verfügt ein Smaragd-Wein außer den vereinsmäßig vorgegebenen Normen über außergewöhnliche Werte, so kann ihn der Winzer zusätzlich ehren, was im Hause Knoll eben mit der Vinothekfüllung ihren titularischen Ausdruck findet. Hierarchie hin und her: Neben der Stimmung sowie dem Anlaß, zu dem eine Flasche entkorkt wird, ist es eine Frage des persönlichen Geschmacks, welchem Wein-Typus man zuneigt. Wer leichtere Kreszenzen präferiert, wird nicht zum Smaragd greifen und schon gar nicht zu einer Vinothekfüllung. Während die Smaragde von Knoll idealen, ja perfekt zu nennenden Abbildern der jeweiligen Rebsorte, des Terroirs sowie des Jahrgangs gleichen, ob es der leicht rauchig angetönte Kreutles ist, der füllige Loibenberg, der kühle Kellerberg oder der Schütt mit seiner rassigen Eleganz, vereinen sich in der Vinothek diese Eigenschaften kompositorisch zu einer Sinfonie, bei der eben nicht die einzelne Lage, sondern mehr die Rebsorte die Leitmelodie bestimmt.

Riesling Pfaffenberg Selection: Ein kraftvoller, hocharomatischer Wein aus einer Lage, die aus unerfindlichen, vermutlich bürokratisch veranlaßten regionalpolitischen Gründen nicht mehr zur Wein-Wachau gezählt wird (deshalb Selection statt Smaragd oder Vinothek). Der erste Nasenzug registriert ein Bukett aus Pfirsich und Aprikose, gefolgt von roten Beeren, ein wenig Orangenzeste sowie gewürzigen Noten à la Anis, unterlegt von einer klaren, kühlen Mineralik (in der Faßprobe ein halbes Jahr zuvor war noch ein schwerer Duft zu spüren wie er Blüten im Spätsommer gleicht, nebst Honig und Rosinen). Der mit einem hohen Mostgewicht gelesene Wein verfügt über eine zarte cremige Note mit subtiler Restsüße und einem raffinierten Geschmack zwischen leicht angerösteten Mandeln und etwas Nußbutter. (9 Punkte)

Riesling Smaragd Vinothekfüllung: Reich, dicht und voller aromatischer Tiefe mit Noten von reifer Ananas, süßem Pfirsichgelee und Weinblüten nebst getrockneten Südfrüchten wie Mango, Waldhonig und einem Hauch von Karamell. Die Botrytis ist nur leicht spürbar, doch ausreichend, um dem Wein einen besonders markanten, feingewürzig durchwobenen Charakter zu verleihen. (10 Punkte)

Zwar haben Vater und Sohn Knoll keine Scheu vor Botrytis. In manchen Jahrgängen legt sich diese Edelfäule wie ein Naturereignis mehr oder minder stark auf die Trauben. Für Knoll junior gibt sie dem Wein eine zusätzliche Geschmacksdimension in Form von Röstnoten und Honig bis hin zu leisem Karamell. Aber angestrebt wird die Botrytis nicht, das Bestreben der beiden Weingärtner gilt wie Juwelieren des Bodens dem Ziel, bei der Umwandlung der Traube in Wein die höchstmögliche Klarheit der Rebsorte zu erreichen. Im Gegensatz zu manchen Winzern und zumal Önologen großer Kellereien, die marketingpolitisch Gewächse von vordergründiger Fruchtigkeit erzeugen, wie sie dem Sonntagstrinker gefallen, setzen Vater & Sohn Knoll auf Authentizität, also Weine mit Substanz und Langlebigkeit, die sich in ihrer Jugend oft verschlossen geben, doch dem Kenner auch in dieser frühen, sozusagen vorpubertären Phase bereits künftige Größe signalisieren.

Getreu der These, wonach Weine stilistisch dem Wesen des Winzers entsprechen, läßt sich risikolos sagen, daß die Gewächse von Emmerich Knoll über Tiefe verfügen. Es sind Weine von starkem Charakter, unverwechselbar, und jeder, ob Smaragd oder Vinothekfüllung, erzählt eine Geschichte, nämlich die von der Erde, in der sie wuchsen und von der Sonne, unter der sie reiften und die sie schließlich mitnahmen in den Keller. Es ist die Geschichte ihres Werdens und die von ihren Herren, zwei Gerechten des Weins. Der am 13. Februar 1950 in Loiben geborene und bereits mit 14 Jahren vom Vater in den Betrieb geholte Senior kennt die christliche Ergebenheit und er ist auch fern vom Wein ein tiefer Denker. Aber er, verheiratet mit einer blonden, gotischen Madonnenschönheit aus der Wachau, die bei der Hausarbeit gerne Wagner hört, weiß auch genau, was er will: Sein statt Schein!

Knoll Weinliste_1979Er bewahrt die Tradition, tut es jedoch nicht in blinder Verehrung gegenüber dem Alten. Die Tradition steht dem Fortschritt nicht feindlich im Wege – ein Credo, dem auch der Junior, ebenfalls Emmerich genannt und seit 1994 voll im Weingut aktiv, huldigt. Insgesamt werden 16,5 Hektar beste Wachauer Lagen à la Schütt, Loibenberg, Kellerberg und Kreutles kultiviert, ergänzt durch den benachbarten, regionalpolitisch zu Krems gehörenden Riesling-Paradegarten Pfaffenberg. „Es ist nicht alles machbar“, wissen Vater und Sohn, „zum Wein gehört auch Sensibilität, man kann nichts hineinzaubern, nur versuchen, das, was die Natur den Trauben mitgibt, zu erhalten.“ Die Weine werden gefiltert, beim Grünen Veltliner findet gegebenenfalls auch eine Eiweißschönung statt, um eine bei dieser Rebsorte nicht ungewöhnliche Trübung zu verhindern.

Die Weine gären und reifen überwiegend in großen Holzfässern. Bei der Wahl der Hefen ist man nicht ideologisch fixiert; es kommen nach spontan einsetzender Vergärung weinbergseigene Hefen ebenso zum Einsatz wie speziell selektionierte Zuchthefen zur Unterstützung, um bei Trauben mit sehr hohem Öchsle-Gehalt das Durchgären zu gewährleisten. Strikt abgelehnt werden hingegen sogenannte Aromenhefen, die den Wein geschmacklich beeinflussen. Die prinzipiell trocken angelegten Weine bilden die breite Basis des Knoll’schen Programms; in keiner Güte-Kategorie von der Steinfeder über das Federspiel bis zu den Smaragden inklusive der Vinothekfüllungen werden die vom Gesetzgeber gestatteten neun Prozent Restzucker pro Liter in Anspruch genommen. In aller Regel bleibt der Gehalt an Restzucker unter der Vier-Gramm-Marke. Den ersten edelsüßen Wein, eine Trockenbeerenauslese, hat der Winzer übrigens vom Jahrgang 1983 gewonnen, aber seit 1995 widmet man sich, sofern das Wetter dies zuläßt, was als Folge der Klimaerwärmung zunehmend der Fall ist, gezielt auch der Gewinnung edelsüßer Kreszenzen.

Auf kellertechnischen Hokuspokus können die Knolls umso leichter verzichten, weil ihre Qualitätspolitik in den Weinbergen beginnt. Statt auf Masse wird konsequent auf Klasse gesetzt - ein Leitmotiv, nach dem schon die 1825 nach Unter-Loiben gekommenen Vorfahren die Winzerei betrieben haben. In der Zwischenkriegszeit hat man in besonders guten Jahren bereits einige Weine in Bouteillen gefüllt, ab 1947 ist die Flaschenfüllung Standard. Ein weiterer qualitativer Schritt nach vorne war die „Ausdünnung“ genannte Reduzierung von Trauben, 1979 versuchshalber in einem Weingarten durchgeführt, ab 1980 dann großflächig praktiziert. Was heute nach selbstverständlicher Güte-Maximierung klingt, war damals in österreichischen Weingärten evolutionär, vielleicht sogar revolutionär. Ungewöhnlich war auch die 1961 getroffene Entscheidung, die Etiketten mit dem Bischofsbild des Hl. Urban als Patron der Winzer und deren Weine zu schmücken – bis heute ein geniales Beispiel für die Verknüpfung von Understatement mit Marketing.

Jeder Wein, ob Grüner Veltliner oder Riesling, ob Muskateller oder Gelber Traminer, ob trocken ausgebaut oder edelsüß, ist im Hause Knoll ein geschmacklich typisches Abbild für Rebsorte, Lage und Jahrgang – ausgenommen die Vinothekfüllung, die als Lagencuvée die Rebsorte in Verbindung mit dem Jahrgang repräsentiert. „Klein und fein“ kann als Maxime über dem Gut prangen. Anders gesagt: die Knoll-Weine gehören zu den besten der Wachau, auch zu den ausdrucksvollsten. Es sind große Weine, was heißt, daß sie die Nase vibrieren lassen, den Gaumen füllen, dort ihr reiches Geschmacksrad schlagen und lang anhaltenden Genuß bescheren. Sie verbinden Kraft mit betonter Eleganz, haben Länge, verfügen über das Potential zum Altern, sprengen also mühelos das Alltagsmaß. Kurzum: Knolls Smaragde sowie die Vinothekfüllungen sind Naturwerke von hoher stilistischer Schönheit und geschmacklicher Individualität.

Journal bekommen!

Wort der Woche

„Der Wein macht den Maulwurf zum Adler“

Nadar

Dieses ebenso skurille wie poetisch erhöhte Bild hat Charles-Pierre Baudelaire (1821-1867) entworfen, der geniale französische Lyriker, Schriftsteller, Essayist, Dandy, Wagnerianer und Weinkenner, der vor allem mit seiner „Die Blumen...

weiterlesen

Gericht der Woche

Karpfen polnisch à la Fürst Rudolstadt

Bei allem Respekt vor der neuen deutschen...

weiterlesen

Wein der Woche

2008 Château de Pez, Cru Bourgeois, St. Estephe

Dunkelrot und mit einem jugendliche Frische signalisierenden Lilaschimmer fließt der Wein ins Glas, aus dem im Nu ein dicht geflochtenes Bukett...

weiterlesen